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Augenblick mal
Johannes Prassek und die Lübecker Märtyrer

VON: CHRISTOF BECKMANN



Heute vor genau 50 Jahren pappten sie hastig Stein auf Stein: Schwer bewacht entstand mitten in Berlin eine der längsten Baustellen der Welt – die Berliner Mauer. Ein Ungetüm und ein Ergebnis einer Zeit, in der alles aus dem Ruder lief. Nämlich auch der Jahre, die zuvor Krieg und Elend über den ganzen Kontinent gebracht hatten. Einer Zeit, in der drei Studenten aus Münster nicht schweigen wollten: Die „Lübecker Kapläne“, 1943 zusammen mit dem evangelischen Pastor Stellbrink von den Nazis ermordet, wurden vor gut zwei Monaten in Lübeck seliggesprochen. Und Johannes Prassek war der Kopf der Gruppe, heute vor 100 Jahren in Hamburg geboren. Sie standen für das Recht auf Leben, sagt der Paderborner und langjährige Jugendbischof Franz-Josef Bode von Osnabrück. Eine Lehre - auch aus der Geschichte - für Ferdinand Kaselow, der Johannes Prassek, seine Freunde und Zeit noch erlebte …

INFO: Kaplan Johannes Prassek, am 13. August 1911 in Hamburg-Barmbek geboren, wuchs mit zwei Geschwistern in einfachen Verhältnissen auf. Geprägt durch die „Grauen Schwestern“, die an der Katholischen Schule Elsastraße in Barmbek lehrten, wechselte er auf die Katholische Höhere Knabenschule und trat 1927 in das Hamburger Johanneum ein. Nach dem Abitur 1931 ging er zum Theologiestudium an die Jesuiten-Hochschule Sankt-Georgen in Frankfurt am Main, 1933 nach Münster, wo er sich dem katholischen Studentenverein Unitas Ruhrania anschloss, 1935 ins Priesterseminar nach Osnabrück. Zwar wurde ihm das Studium vom Bischöflichen Stuhl in Osnabrück und von der Hansestadt Hamburg zum Teil finanziert, doch musste er sich nebenher mit Gelegenheitsarbeiten durchschlagen. Am 13. März 1937 im Dom zu Osnabrück zum Priester geweiht, trat Johannes Prassek eine Vikarstelle im mecklenburgischen Wittenburg an, 1939 an der Lübecker Pfarrei Herz-Jesu, wo er ein Jahr später zum ersten Kaplan ernannt wurde.

Seine Ausstrahlung und sein Ruf als Prediger zog auch Gestapo-Spitzel an. In Gesprächskreisen, insbesondere mit Soldaten, sprach er offen über den Nationalsozialismus, kirchenfeindliche Politik des Regimes, Krieg und Verhalten der Machthaber. Prassek lernte Polnisch für die streng verbotene Seelsorge an Zwangsarbeitern. Mit dem 17 Jahre älteren evangelischen Pastor Karl-Friedrich Stellbrink tauschte er ab Sommer 1941 Informationen über „feindliche“ Rundfunksender und verteilte Flugschriften – u.a. von Clemens August von Galen, Bischof von Münster. Ein Spitzel zeigte Prassek an, er kam am 18. Mai 1942 in das Marstall-Gefängnis des Burgkloster-Gebäudes und wartete mit Stellbrink und den ebenfalls verhafteten Kaplänen Hermann Lange und Eduard Müller über ein Jahr auf den Prozess. Das Todesurteil fällte der Volksgerichtshof am 24. Juni 1943 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat, Rundfunkverbrechen, Zersetzung der Wehrkraft und landesverräterischer Feindbegünstigung“. Alle vier starben am 10. November 1943 im Hamburger Gefängnis Holstenglacis unter dem Fallbeil. Das 2004 im Erzbistum Hamburg begonnene Seligsprechungsverfahren für die drei Kapläne Prassek, Müller und Lange wurde 2010 in Rom abgeschlossen, am 25. Juni 2011 wurden sie in Lübeck seliggesprochen.

Mehr Informationen über die Homepage www.luebeckermartyrer.de, zum Unitas-Verband: www.unitas.org, zur Unitas Ruhrania: www.unitas-ruhrania.org. Letzte Veröffentlichung: Peter Voswinckel, Geführte Wege, Die Lübecker Märtyrer in Wort und Bild, Hamburg 3. Aufl. 2011. Eine DVD „Widerstehen im Geiste Christi“ des Berliner Filmemachers Jürgen Hobrecht ist zu beziehen über die Polis-Film, Jürgen Hobrecht, Wörtherstr. 13, 10405 Berlin, Tel. 030 / 48496346, E-Mail polisfilm(bei)polis-film.de oder Fax 030 48496347. Preis: 12€ plus 3€  Versand.


Hier der ganze Beitrag zum Hören:
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