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Augenblick mal
Franz Stock: Erzengel in der Hölle

VON: CHRISTOF BECKMANN



Über 300 Meter hoch, damals revolutionär gebaut – und jeder kennt ihn: Den Eiffelturm in Paris. Gebaut von Gustav Eiffel, dessen Familie genau daher kam – aus der Eifel. Genauer: aus dem Kreis Ahrweiler bzw. Kreis Euskirchen. Auch ein anderer Deutscher aus dem heutigen NRW hat in der Metropole an der Seine seine Spuren hinterlassen – aber ganz andere. Als sich vor 70 Jahren sich die deutschen Besatzer in Paris breitmachten, Tausende von der Wehrmacht erschossen wuden, hat sie ein Priester aus Arnsberg-Neheim, Franz Stock, auf dem letzten Weg begleitet. Der von den Franzosen verehrte Seelsorger aus dem Erzbistum Paderborn gilt als einer der Mitbegründer der deutsch-französischen Freundschaft …

INFO: Franz Stock, 1904 in Neheim als erstes von neun Kindern einer Arbeiterfamilie geboren, schloss sich bereits in seiner Schulzeit dem Bund Neudeutschland und später der Quickbornbewegung an. 1926 nahm er das Studium der Theologie in Paderborn auf. Ostern 1928 ging er für drei Semester nach Paris und studierte am Institut Catholique – als der erste deutsche Theologiestudent in Frankreich seit dem Mittelalter. Am 12. März 1932 wurde Franz Stock durch den Paderborner Erzbischof Dr. Caspar Klein zum Priester geweiht. 1934 trat Franz Stock in Paris seine Stelle als Rektor der deutschen Gemeinde an - bald kam die Hilfe für politische Flüchtlinge aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei hinzu. Kurz vor Ausbruch des Krieges musste er Paris verlassen, übernahm Vertreterstellen in Dortmund-Bodelschwingh und dann in der Nähe von Magdeburg. 1940 erneut zum Seelsorger der Deutschen in Paris ernannt, begann er mit seiner Tätigkeit in den Pariser Wehrmachtsgefängnissen Fresnes, La Santé und Cherche Midi, wo er die Häftlinge in den Gefängnissen betreute und Zeuge von über 2.000 Erschießungen werden musste. 1945 nahm er eine neue Aufgabe an: die Gründung eines Priesterseminars im Gefangenenlager Dépôt 501 bei Chartres, das er bis 1947 als Regens leitete. Es ging in die Geschichte unter der Bezeichnung „Stacheldrahtseminar“ ein. Insgesamt 949 Dozenten, Priester, Brüder und Seminaristen aus Deutschland und Österreich waren im Verlauf der zwei Jahre dort. Am 24. Februar 1948 starb Abbé Franz Stock plötzlich, noch keine 44 Jahre alt, in Paris. Dies erklärt, weshalb Franzosen ihm die Namen „L'Aumônier de l'enfer“ („Der Seelsorger der Hölle“) und „L'Archange en enfer“ („Der Erzengel in der Hölle“) gaben. Nuntius Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII., nahm die Einsegnung des Toten vor und sagte dabei: „Abbé Franz Stock - das ist kein Name - das ist ein Programm!“ Am 14.11.2009 wurde das Seligsprechungsverfahren für Franz Stock von Hans-Josef Becker, Erzbischof von Paderborn, in der Pfarrkirche St. Johannes Bapt. Arnsberg-Neheim eröffnet.

Franz-Stock-Vereinigungen: Das Franz-Stock-Komitee für Deutschland hat sich 1964 in der Heimatstadt Franz Stocks gebildet. Eine Franz-Stock-Vereinigungen in Frankreich (heutiger Name: Les Amis de Franz Stock) gründete sich 1963 und hat ihre Schwerpunkte in Paris und Chartres. Zur Errichtung der „Europäischen Begegnungsstätte Franz Stock Chartres“ haben die Vereinigungen aus Deutschland und Frankreich 2002 einen gemeinsamen Trägerverein „CERFS - Centre Européen de Rencontre Franz Stock“ gegründet, der heute gleichzeitig auch Rechtsträger der französischen Franz-Stock-Vereinigung ist.
Buchtipp: Unter dem Titel „The Last Human Face: Franz Stock, A Priest in Hitler's Army“ ist in den USA ein neues Buch über Franz Stock erschienen. Autor ist Pater Boniface F. Hanley, OFM. Das englischsprachige Buch (338 Seiten) ist als Taschenbuch oder E-Book über Amazon.com erhältlich.

Unser Gesprächspartner: Thomas Bertram, einer der stellvertretenden Vorsitzenden des Franz-Stock-Komitees Deutschland, Kontakt: Franz-Stock-Komitee für Deutschland e,V., Hauptstr. 11‚ 59755 Arnsberg, Tel. 02932 / 22 05 0, Fax 02932 / 25 46 8 oder Rathausplatz 1, 59759 Arnsberg, Tel. 02932 / 93 18 804, Fax 02932 / 93 18 805, E-Mail: info(bei)franz-stock.de, mehr unter: www.franz-stock.org, www.franz-stock.de

 


Hier der ganze Beitrag zum Hören:
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