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Augenblick mal
Deutschland-Frankreich: Aufrichtige Bruderliebe

VON: CHRISTOF BECKMANN



Start für eines der größten Volksfeste in NRW! Über eine Million Menschen kommen zu „Libori 2012“ nach Paderborn. Das pflegt über die Reliquien des Heiligen Liborius eine der ältesten Städte- und Bistumspartnerschaften der Welt. Stefan Jung ist Pfarrer am „Sauerländer Dom“ St. Johann Baptist in Neheim. Von dort stammt einer, den sie in Frankreich geradezu verehren. Franz Stock, ein Priester, der jahrelang im Zweiten Weltkrieg in Paris stationiert war, der zahllosen Gefangenen half …

INFO: Der Ursprung des jährlich gefeierten neuntägiges Kirchen- und Volksfestes in Paderborn geht auf das Jahr 836 zurück, in dem die Reliquien des Hl. Liborius von Le Mans (348-397) aus Frankreich in die neu gegründete Bischofsstadt Paderborn geholt wurden. Höhepunkte der kirchlichen Feierlichkeiten sind die Erhebung und Aussetzung des goldenen Schreins mit den Reliquien des Hl. Liborius am ersten Libori-Samstag, die Prozession mit dem Schrein durch die Stadt am Sonntag und die Beisetzung des Schreins am Libori-Dienstag. Zum Liborifest lockt eine 1,6 Kilometer lange Kirmesmeile auf dem Liboriberg mit Pottmarkt, Konzerten, Straßenmusik, Kleinkunst und Höhenfeuerwerk.

Das Liborifest 2012 beginnt am Samstag, 28. Juli, und endet am Sonntag, 5. August. Das Leitwort lautet: „Erneuert euren Geist und Sinn“ (Eph 4.23). Das Zitat aus einem Brief des Apostels Paulus an die christliche Gemeinde in Ephesus solle Motivation und Ansporn sein, sich immer wieder neu auf Jesus Christus zu besinnen, schreibt Erzbischof Hans Josef Becker in seiner Einladung zum Libori-Fest. Darüber hinaus soll mit dem Leitwort an das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) und die von ihm ausgehende pastorale und ökumenische Erneuerung der Kirche erinnert werden.
Auch in diesem Jahr werden wieder zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland erwartet, darunter 14 Bischöfe aus 11 Ländern – so u.a. Bischof Yves Le Saux aus dem französischen Partnerbistum Le Mans, Erzbischof Petro Malchuk aus der ukrainischen Diözese Kyiv-Zhytomyr und der brasilianische Erzbischof von Vitoria, Luiz Mancilha Vilela. Aus dem Vatikan hat der Sekretär des Päpstliches Rates für die Laien, Bischof Josef Clemens, sein Kommen zugesagt. Daneben kommen traditionell deutsche Bischöfe, die aus der Erzdiözese Paderborn stammen, an Libori in die Stadt.
Bis zum 5. August stehen Gottesdienste und Begegnungstreffen für kirchliche Gruppen und Verbände, Kultur, Tanz und Musik, Bibelgespräche und eine liturgische Nacht auf dem Programm. Alle Informationen: Libori-Begleiter zum Download, mehr: Erzbistum Paderborn, www.erzbistum-paderborn.de.

Das Sauerland-Museum in Arnsberg, das zentrale Museum des Hochsauerlandkreises, zeigt vom 20. Mai bis 26. August eine umfangreiche Ausstellung unter dem Thema „Franz Stock und der Weg nach Europa“. Sie zeigt Person und Wirken von Franz Stock, einem Kriegsgefangenenseelsorger und Wegbereiter der deutsch-französischen Freundschaft. Der deutsche Botschafter in Paris, Reinhard Schäfers, und der französische Botschafter in Berlin, Maurice Gourdault-Montagne, haben die Schirmherrschaft übernommen. LINK: http://www.sauerland-museum.de/sauerlandmuseum/as/Ausstellungen/index.php

Franz Stock, am 21. September 1904 in Neheim als erstes von neun Kindern einer Arbeiterfamilie geboren, schloss sich bereits in seiner Schulzeit dem Bund Neudeutschland und später der Quickbornbewegung an. 1926 nahm er das Studium der Theologie in Paderborn auf. Ostern 1928 ging er für drei Semester nach Paris und studierte am Institut Catholique – als der erste deutsche Theologiestudent in Frankreich seit dem Mittelalter. Am 12. März 1932 wurde Franz Stock durch den Paderborner Erzbischof Dr. Caspar Klein zum Priester geweiht. 1934 trat Franz Stock in Paris seine Stelle als Rektor der deutschen Gemeinde an - bald kam die Hilfe für politische Flüchtlinge aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei hinzu. Kurz vor Ausbruch des Krieges musste er Paris verlassen, übernahm Vertreterstellen in Dortmund-Bodelschwingh und dann in der Nähe von Magdeburg. 1940 erneut zum Seelsorger der Deutschen in Paris ernannt, begann er mit seiner Tätigkeit in den Pariser Wehrmachtsgefängnissen Fresnes, La Santé und Cherche Midi, wo er die Häftlinge in den Gefängnissen betreute und über 2.000 Erschießungen beiwohnen musste. Die Franzosen gaben Franz Stock die Bezeichnung „L'Aumônier de l'enfer“ („Der Seelsorger der Hölle“) und „L'Archange en enfer“ („Der Erzengel in der Hölle“). 1945 nahm Stock eine neue Aufgabe an: die Gründung eines Priesterseminars im Gefangenenlager Dépôt 501 bei Chartres, das er bis 1947 als Regens leitete. Es ging in die Geschichte unter der Bezeichnung „Stacheldrahtseminar“ ein. Insgesamt 949 Dozenten, Priester, Brüder und Seminaristen aus Deutschland und Österreich waren im Verlauf der zwei Jahre dort. Am 24. Februar 1948 starb Abbé Franz Stock plötzlich, noch keine 44 Jahre alt, in Paris. Nuntius Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII., nahm die Einsegnung des Toten vor und sagte dabei: „Abbé Franz Stock - das ist kein Name - das ist ein Programm!“ Die katholische Kirche hat 2009 das Seligsprechungsverfahren für Stock eröffnet. Das Franz-Stock-Komitee für Deutschland hat sich 1964 in der Heimatstadt Franz Stocks gebildet, um die vielfältigen Bestrebungen zu bündeln, die sich mit der Person und dem Werk des verstorbenen Gefangenenpriesters verbinden. Weitere Franz-Stock-Vereinigungen haben ihren Sitz in Paris und Chartres. Kontakt: Hauptstr. 11, 59755 Arnsberg, Tel. 02932 / 22050, info(bei)franz-stock.de, Internet: www.franz-stock.de. Downloads: Flyer_Franz Stock und der Weg nach Europa deutsch  [pdf, 1.032,51 Kilobyte].

Unser Gesprächspartner: Pfarrer Stephan Jung stammt aus der Siegener Gemeinde St. Peter und Paul, ist Mitglied im Franz-Stock-Komitee und seit 2005 als Pfarrer am „Sauerländer Dom“ St. Johann Baptist in Neheim Leiter des etwa 10.000 Gläubige zählenden Pastoralverbundes Ruhr-Möhne (Voßwinkel, Bergheim, Bachum). Kath. Kirchengemeinde St. Johannes Bapt., Tel. 02932 / 22050, Hauptstr. 11, 59755 Arnsberg-Neheim, E-Mail: johannes.neheim(bei)gmx.de.


Hier der ganze Beitrag zum Hören:
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