Sonntag, 17. Februar 2019

Comece-Präsident: Europa ist unser gemeinsames Haus!

Bild: Logos der Comece & Rethinking Europe

Sprechen wir über Europa – im Kirchenmagazin der NRW-Lokalradios werden wir es in den kommenden Monate immer wieder tun: Denn wohl selten wird so deutlich wie in diesem Jahr, dass es um Entscheidungen geht, die alle betreffen.

Im Prinzip ist die Sachlage klar. Die Briten hatten sich denkbar knapp entschieden und vollmundig ihren Austritt aus der Europäischen Union angekündigt. Die war entsetzt, ging in Verhandlungen. Der mühselig verhandelte Vertrag steht, das Datum auch. Jetzt soll von britischer Seite aus neu nachverhandelt werden. Die EU sagt Nein. Wenn sich nichts ändert, sind die Briten in knapp zwei Monaten raus und Großbritannien wird am 29. März um 11 Uhr nachts die EU verlassen. Wie gesagt: Wenn es dabei bleibt.

Das jahrelange Tauziehen – im Urteil vieler Kommentatoren ein Stoff für eine Shakespearsches Drama – bietet einen Anschauungsunterricht dafür, worum es in diesen Jahren geht. Um Lügen, um große Worte und falsche Versprechungen, um tragische Figuren, Jubel und rollende Köpfe, wechselnde Sympathien, seltsame Koalitionen, Verwirrspiele und Emotionen, wie sie im alten Globe-Theater des Altmeisters kaum besser hätten inszeniert werden können. Wer die mitunter sogar streckenweise unterhaltsamen Verwicklungen verfolgte, ahnte zugleich aber längst, dass es hier in Wirklichkeit um alles andere als Theater geht. Kein Abgang von der Bühne, rauschender Applaus und Aftershow-Party. Nein: Das ist alles echt. Und hat bittere Konsequenzen. Das Zwischenergebnis bislang: Ein zerrissenes und gespaltenes Land, tiefe Verletzungen, Misstrauen und eine ungewisse Zukunft.

Europa und Kirche

Aufmerksam verfolgt auch die katholische Kirche diesen Prozess und ist daher durchaus besorgt – auch mit dem Blick auf die bereits am Horizont stehenden Wahlen zum Europäischen Parlament. Denn fast genau zwei Monate nach dem voraussichtlichen Brexit sind die Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union vom 23. bis 26. Mai 2019 zum neunten Mal an die Urnen gerufen. Pater Jean-Claude Hollerich SJ (60), seit 2011 Erzbischof von Luxemburg und am 8. März 2018 als Nachfolger des Münchner Erzbischofs Reinhard Kardinal Marx zum Vorsitzenden der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (Comece) gewählt, setzt jetzt auf Einsicht in eine grundsätzliche Erkenntnis: „Europa ist unser gemeinsames Haus. Wir könnten in dieser Welt ohne Europa überhaupt nicht mehr existieren“, betonte der Jesuitenpater am Sonntag, 3. Februar, im NRW-Kirchenmagazin „Himmel & Erde“. „Die meisten Probleme sind global und der Nationalstaat allein kann diese Probleme nicht mehr lösen. Das wäre eine Flucht in die Vergangenheit.“

Die Vorgänge in Brüssel sind ihm selbst seit Jahren vertraut: In Rom hat Jean-Claude Hollerich studiert, er war in Frankreich, an der Sophia-Universität in Tokio/Japan und in Deutschland tätig, übernahm 2014 die Aufgabe als Präsident der Konferenz der Justitia et Pax-Kommissionen Europas und steht schon lange im aktiven Dialog zwischen den EU-Institutionen und der Kirche. Sie habe durchaus ihre eigenen Ansichten zu dem, was in Europa geschieht, doch sei „ein Rückfall in die Nationalstaaten eine Gefährdung für den Frieden in Europa“, so der Comece-Vorsitzende mit Verweis auf den Konflikt zwischen Russland in der Ukraine: „Wenn das so käme, wäre das ein Drama“. Dagegen setzt der Chef-Kirchenvertreter in Brüssel auf die Vernunft. „Wir brauchen Europa. Europa steht für Solidarität, Europa steht für Gemeinwohl und deshalb sind auch diese Wahlen so wichtig. Wir müssen zu Europa stehen.“ 

Nicht zuletzt setzt der Sprecher für die Kirche in Europa auf die nächste Generation: Seit 2017 war er Präsident der CCEE-Kommission für die Jugend. Und ihr, der Jugend, gehört die Zukunft, sagt Hollerich: „Sie werden es schwer haben. Ihre Welt wird ganz anders sein. Jedoch sie werden das schon meistern. Sie müssen aber auch spüren, dass wir dieses Vertrauen haben und dass wir ihnen diese Welt anvertrauen, die sie dann auch wieder der nächsten Generation weitergeben können.“ Wir kommen darauf zurück.

CB

Mehr zur Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) auf www.comece.org.

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