Sonntag, 12. Juli 2020

Unser Programm an Pfingstmontag

„Durchzug“ sollen wir machen, heißt es derzeit überall. Und das mehrmals am Tag – wegen der Gesundheit. Auf Deutsch: Es gibt einfach nichts Neues unter der Sonne. Denn mindestens einmal im Jahr sollte nach alter Übung schon immer ordentlich durchgelüftet werden. Fast zwei Jahrtausende lang ist das so - an Pfingsten nämlich. Wer seine Bude verrammelt, wird das nicht hinkriegen – es sei denn, es ist ein Wunder. Davon wird just in der Bibel berichtet, als die verdrucksten Jünger Jesu von damals alle Traute verloren und die Türe zur ach so gefährlichen Welt da draußen zugeschlagen hatten. Bis ihr selbstgewählter Kerker gesprengt wurde.

Nun ist die Welt tatsächlich alles andere als ein ungefährlicher Ort. Das wissen wir nicht erst seit heute. In diesen Tagen gehen die Gedanken bei manchen vielleicht auch fast genau sechs Jahre zurück – Pfingststurm Ela fegte damals übers Land, entwurzelte Bäume, deckte manches ab - und auf. Spätestens als die pechschwarze Wütewand heranzog, klopfte manchem das Herz bis zum Hals. Der Regen peitschte, die Dachziegel flogen, ganze Straßenalleen knickten in sich zusammen und Gartenhäuser wurden wie von Geisterfäusten zersplittert. Und als der Schlamassel vorbei war, die Straßen voller Blaulicht waren, sich die Nachbarn wieder aus dem Haus trauten, sah es an vielen Orten völlig unwirklich aus. Viel zerstört - viele verstört. Da dämmerte manchem mehr als sonst die Erkenntnis, dass es nur höchst bedingt möglich ist, den Urgewalten der Natur zu trotzen. Vermeintliche Sicherheiten erwiesen sich als trügerisch, die routinierten Infrastrukturen unserer Existenz als erheblich störanfällig. Im Prinzip banal und überhaupt keine neue Erkenntnis – der weitaus überwältigende Teil der Menschheitsgeschichte ist von dieser simplen und grundlegenden Einsicht ganz wesentlich geprägt.

Ela aber kam kurz und mit Ansage. Die Meterologen wussten 2014, dass da was im Anmarsch war und man konnte sich einrichten. In der Hoffnung, dass es schnell vorübergeht und nicht so heftig wird. Das ist in diesen Tagen deutlich anders, denn die inzwischen monatelange konkrete tödliche virale Bedrohung bleibt für unsere sinnliche Wahrnehmung fast unsichtbar. Die Folgen sind trotzdem kaum zu übersehen – im Blick auf die massiven wirtschaftlichen Konsequenzen, die sozialen Verwerfungen, die bleibenden Verunsicherungen, im Blick auf alle Fragen, die sich weit über die Grenzen der eigenen Betroffenheit in globalem Maßstab ergeben. Dass Lieferketten, fragwürdige Beschäftigungsverhältnisse, pausenlose Mobilität, manche Art, wie wir unser soziales Leben gestalten und vieles mehr dabei nun neu in die Diskussion geraten sind, ist dabei grundsätzlich alles andere als von Nachteil. Für eine Bilanz, an der sich schon viele versuchen, ist es aber noch viel zu früh. Zum einen weiß niemand, wie lange dieser lautlose „Sturm“ anhält. Zum anderen sind die langfristigen Konsequenzen für den Planeten längst nicht raus.

Welches Fazit schließlich auch immer gezogen werden sollte: Seien wir nicht verdruckst, geben wir nicht klein bei, seien wir aber auch nicht sorglos. Sondern sorgen wir nachhaltig dafür, dass die richtigen Konsequenzen gezogen werden. Nicht nur von irgendjemand, sondern zunächst mal vor allem ganz persönlich. In unserer Haltung zum Leben, zur Schöpfung, zum Miteinander und Füreinander auf diesem unglaublich kostbaren Staubkorn im Weltall ist in dieser Hinsicht noch eine Menge „Luft nach oben“. Doch der „Wind of Change“, von dem vor einigen Jahren in den Charts oft die Rede war, lässt sich eh nicht aufhalten. Veränderung ist keine Naturgewalt, sondern das Wirken des Geistes, dem wir unser Leben und Überleben verdanken. Und ein Fest für diesen Geist darf man also gerne auch noch mit einem arbeitsfreien Extra-Tag für alle feiern.

Wir sind mit unserer Ausgabe des Kirchenmagazins am Pfingstmontag auf Sendung – passt perfekt. Zu Pfingsten, dem Fest der Geist-Sendung, das ja als das Geburtstagsfest der Kirche gilt. Mit dem wir besonders nachdrücklich daran erinnert werden sollen, dass uns nichts davon abhalten soll, mit neuer Be-Geisterung und mit vielen guten Gedanken auf das Wesentliche im Leben zu kommen. Das mag für manche durchaus Arbeit sein, aber vor der können und dürfen wir uns nicht drücken. Also: Fenster und Türen auf! Schalten wir in richtig verstandenem Sinn auf „Durchzug“, damit wir den Pfingstgeist nicht überhören. Wir gucken dazu mal im Kirchenmagazin von 8-9 Uhr, was da draußen in der Mitschöpfung los ist, was die Pfadis jetzt zu Hause treiben und welch goldige Fenster in die Ewigkeit jetzt auf alle in Recklinghausen warten. Alles in „Himmel & Erde“ - und allen ein stürmisch-fröhliches Pfingstfest!

 

Himmel & Erde. Das Magazin der Kirchen – Pfingstmontag, 01.06.2020

Moderation: Stefan Klinkhammer - Katholische Kirche - 8.00 - 9.00 Uhr über die Lokalradios in NRW

 

SommerZeit 2020 / Johanna Risse

Ab dem 2. Juni finden rund 1,3 Millionen katholische Haushalte die SommerZeit, das Magazin des Erzbistums Köln, in ihrem Briefkasten. Schwerpunktthemen des 50-seitigen Hefts sind dieses Jahr: Umwelt, Klima und Gottes Schöpfung.

 

Pfadfinder – Zuhause an Pfingsten / Stefan Klinkhammer

Wie die Pfadfinder der DPSG wären jetzt tausende Kinder und Jugendliche im Pfingstzeltlager unterwegs. Alles abgesagt. Aber vielleicht lässt sich trotzdem etwas mitnehmen, sagt DPSG-Bundeskurat Matthias Feldmann… 

 

Ikonen: Die größte Schau im Westen / Christof Beckmann

Etwa 170 neue Ikonen der ostkirchlichen Kunst zeigt die Kunsthalle Recklinghausen in einer Sonderausstellung ab dem 6. Juni. Mit dabei sind frühe Exemplare aus dem 15. bis 17. Jahrhundert aus Russland und Griechenland. Ein seltenes Highlight: Das Fragment einer Christus-Ikone, das aus byzantinischer Zeit stammt ...

 

Ukraine: Renovabis hilft / Christof Beckmann

Das katholische Hilfswerk Renovabis hofft für seine aktuelle Pfingstaktion trotz Corona auf die Spendenbereitschaft der Gläubigen. Diesmal steht die Ukraine im Mittelpunkt, die nach dem jahrelangen Krieg mit Russland von der Pandemie nun doppelt getroffen ist ....

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