Dienstag, 27. Februar 2024

Weihnachtsansprache 2023

Pater Wolfgang Sieffert OP

Pater Wolfgang Sieffert OP

Frohe Weihnachten!

Ein paar Gedanken zu diesem Fest von Pater Wolfgang Sieffert OP vom Orden der Dominikaner aus der NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf:

Wow. Was für ein Fest. Heute ist heiliger Abend, liebe Hörerinnen und Hörer. Der Beginn von Weih-nachten. Ein Fest, das jenseits der Dimensionen von Weihnachtsmarkt, Glühwein und Konsum-rausch eine Tiefendimension besitzt, der sich kaum jemand entziehen kann.

Es geht darum, andere glücklich zu machen, zu beschenken, ihnen Gutes zu tun …

Wie war das vor 2000 Jahren? Da war eine Familie unterwegs aus Galiläa nach Judäa, ins Städt-chen Betlehem. Eigentlich eine ungewöhnliche Familie, denn der Mann der schwangeren Frau war nicht der Vater des Kindes. Und am Ziel angekommen, finden sie kein vernünftiges Dach über dem Kopf – wie Familien, die heute auf der Flucht sind. Das Neugeborene legen die Eltern in eine Futter-krippe. Und später müssen Maria und Josef vor der Gewalt Mächtiger ins Ausland fliehen. – Oha, wie nah das alles am Heutigen ist.

Und genau im Kind, das unter diesen Umständen in die ganz und gar nicht heile Welt geboren wird, sehen wir Christinnen und Christen Gottes Ankunft. Wir sagen: in diesem neugeborenen Baby, die-sem Jesus, ist Gott selbst zu uns Menschen gekommen. Diesem Gott liegen wir am Herzen. In einer Welt, die all das kennt, was Menschen Menschen antun, stellt sich Gott auf die Seite der Schwachen und Ohnmächtigen.

Und nicht nur an die Seite stellt sich Gott – er identifiziert sich: Gott ist selbst Teil einer Patchwork-Familie, einer um ihr Leben fürchtenden Flüchtlingsgruppe; Gottes Familie ist arm. Zur Geburt kommen außer „Engeln vom Himmel“ erstmal nur Hirten; die sind vom Rand, außerhalb dessen, was damals die „bessere Gesellschaft“ war.

Wie heute hatten auch damals sicher viele das Gefühl, dass mit Fluchtursachen, Armut, römischen Besatzungstruppen, arroganten Mächtigen und Hohenpriestern eine Überdosis Weltgeschehen über sie hereingebrochen ist.

Weihnachten sagt: Menschen in solchen Situationen lässt Gott nicht allein. Er kommt nicht nur nah, er kommt da hinein, identifiziert sich mit ihnen. In der Altstadt-Armenküche im Düsseldorfer Rat-haus, in der ich ehrenamtlich mitarbeiten darf, wird mir im Kontakt mit armen und wohnungslosen Menschen immer wieder deutlich, dass selbst kleine Zeichen der Mitmenschlichkeit enorm wichtig sind.
Gott gibt uns heute die Möglichkeit im Dasein für die Kleinen und unter die Räder Geratenen ihm zur Seite zu stehen. Was für ein Geschenk!

Das berührt uns. Machen wir was draus. Frohe Weihnachten! Ihr und euer Pater Wolfgang!

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