Sonntag, 22. Mai 2022

Weihnachtsansprache Pater Nikodemus Schnabel

Pater Nikodemus Schnabel - Foto: KiP NRW

Die Welt an der Krippe 

Liebe Hörerinnen und Hörer, ganz herzlich grüße ich Sie heute am Heiligen Abend aus Betlehem ins wunderschöne Bundesland Nordrhein-Westfalen, wo meine Wurzeln mütterlicherseits liegen. Die derzeitige Pandemie macht es leider unmöglich, dass Sie zu uns ins Heilige Land kommen können, genauso wenig wie ich gerade nach Deutschland fliegen kann. Umso mehr freue ich mich, dass wir dank des Radios über die lange Distanz hin verbunden sein können und ich Sie direkt mit an die Krippe nehmen darf.

Ich will nichts schönreden: Weihnachten ist leider auch in diesem Jahr hier in Betlehem nicht das Fest, auf das die gesamte Stadt ein Jahr lang hinfieberte. Die Hotels sind leer. Viele Geschäfte geschlossen, die Restaurants nur teilweise geöffnet. Und viele der einheimischen Christen hier, die vor allem von den Touristen und Pilgern leben, blicken in eine ungewisse Zukunft.

Dennoch feiern sie Weihnachten nach Kräften und ich darf in viele strahlende Gesichter blicken. Denn da, wo die Weltlage nur entmutigt, schenkt Weihnachten Hoffnung. Gott wurde hier in dieser Stadt Mensch und weiß bestens Bescheid um die Sorgen und Nöten von uns Menschen. So kommen sie alle hierher zur Geburtsgrotte und legen ihre Gebetsanliegen auf den Geburtsstern, der den Geburtsort Jesu markiert.

Und es ist eine ziemlich bunte und internationale Schar von mehreren Tausenden. Denn wenn die Grenzen auch geschlossen sind, so gibt es die über 100.000 Migrantinnen und Migranten aus den Philippinen, aus Indien, aus Sri Lanka, aus China, aus Osteuropa, Afrika und Lateinamerika, die hier als billige Pflegekräfte, in der Landwirtschaft oder auf dem Bau arbeiten. Sie gehören zu der riesigen Gruppe der Christen, die unsichtbar sind, über sie redet man kaum, viele haben sich auch selbst unsichtbar gemacht, da bei ihnen ihr Arbeitsvisum schon lange abgelaufen ist oder sie irgendwann mal als Touristen ins Land gekommen sind. Es sind die modernen Sklavinnen und Sklaven unserer Zeit. Sie sind dabei genauso Mensch wie ich. Meine Schwestern und Brüder!

Ich stehe nun hier und schaue ihnen zu, wie sie in ihren wunderschönen Gewändern sich in die Warteschlange einreihen, um endlich auch ein paar Augenblicke am Geburtsort beten zu können. Viele legen dabei Passfotos von ihren Liebsten in der fernen Heimat auf den Geburtsstern, die sie schon seit Jahren nicht mehr gesehen haben.

Weihnachten verbindet sie alle. Weihnachten verbindet auch uns jetzt. So wünsche ich Ihnen von Herzen ein frohes, gesegnetes und mutmachendes Weihnachtsfest aus Betlehem, Ihr Pater Nikodemus Claudius Schnabel!

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