Samstag, 22. Februar 2020

Weihnachtsansprache Pfarrer Dirk Bingener

Bild: © Martin Steffen/Kindermissionswerk

Bild: © Martin Steffen/Kindermissionswerk

Weihnachtsansprache von Pfarrer Dirk Bingener
Präsident von missio und Kindermissionswerk ,Die Sternsinger‘

"Wenn Sie bei Google Earth einen Ort suchen, um sich zum Beispiel schon mal anzuschauen, wie Ihr nächstes Feriendomizil aussieht, dann werden Sie aus 11.000 Kilometer Höhe herangezoomt an diesen einen, von Ihnen in der Suchleiste angegebenen Ort. Sie können ihn von allen Seiten betrachten und sich schon einmal auf den nächsten Urlaub freuen.

Die Weihnachtsgeschichte beginnt auch mit einem solchen Zoom. Aus der unüberschaubaren Fülle der Zeit und der riesigen Ausdehnung der Erde führt uns der Evangelist Lukas an einen, so konkret wie möglich bezeichneten Ort und Zeitpunkt: in der Regierungszeit des Kaisers Augustus, als Quirinius Statthalter von Syrien war, in den Tagen, als alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen waren - da, in diesem Zeitfenster, zog Josef mit seiner Verlobten von Nazareth nach Bethlehem. Und dort, in diesem Dorf, in einem Stall, wird ein Kind geboren und von seiner Mutter Maria, in Windeln gewickelt, in eine Krippe gelegt.

Und ein zweiter Ort wird von Bedeutung: nicht weit von der Krippe entfernt, liegt ein freies Feld, genauer ein Lager von Hirten, die nachts ihre Herde bewachen. Und was uns dann erzählt wird, ist die Verwandlung dieser beiden Orte. Verwandelt wird das Feld, weil in dieser Nacht dort etwas geschieht, was man nicht auf einem Feld erwartet: ein göttliches Licht erleuchtet und umstrahlt die Hirten. Und dann der Auftritt von Engeln, ein himmlischer Chor, der Gott in der Höhe verherrlicht und den Menschen den Frieden verkündet. Und auch im Stall geschieht Sonderbares. Auch er wird verwandelt, ist nicht mehr nur Stall, sondern Geburtsort eines Kindes, des Heilands, Ort, an dem das Heil Gottes, die Liebe Gottes die Welt ein für allemal berührt.

Und genau darum mag es dem Evangelisten Lukas gehen. Mit der Geburt Jesu im Stall, mit der Verkündigung an die Hirten auf dem Feld wird deutlich: Gott unterbricht eben die bis dahin geltende Ordnung. Gott hat nichts – wie vermutet – von der Art eines gottgleichen Königs, sondern er steht auf der Seite einfacher Hirten. Das ist auch heute die Botschaft der Weihnachtsgeschichte. Deshalb ist das Weihnachtsfest 2019 mehr als ein romantisches Erinnern. 

Die Aufforderung der Weihnachtsgeschichte in diesem Jahr und an dem Ort, an dem Sie sich gerade jetzt befinden, lautet: verwandle Orte! Wenn wir in diesen Stunden, am Heiligen Abend anders miteinander umgehen, liebvoller, wenn wir uns darum kümmern, dass niemand allein ist, wenn wir uns bei unseren Freunden und Bekannten melden, wenn wir uns beschenken, füreinander beten, dann haben wir längst begonnen, Orte zu verwandeln, dann ist der erste Schritt doch schon gemacht.

In diesem Sinne frohe und gesegnete Weihnachten!"

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