Dienstag, 26. Januar 2021

Weihnachtsansprache Sr. Katharina Kluitmann

Schwester Katharina blickt in dieser Weihnachtsbotschaft auf das Trost und Kraft gebende Weihnachtsbild. Vielleicht bietet sich ja auch gerade in diesem Jahr die Möglichkeit, ein wenig zu „drömeln“... Sr. Katharina ist von den Franziskanerinnen Lüdinghausen und Vorsitzende der Deutschen Ordensobernkonferenz in Bonn.

„Wir brauchen Bilder, liebe Hörerinnen und Hörer. Wir brauchen Bilder, die uns Trost und Kraft geben. Gerade dieses Jahr. So viele von uns sind am Ende, am Ende ihrer Kraft, in finanziellen Sorgen, in Krankheit, am Rand des Todes, in Angst, in Trauer. Dieses Jahr hat uns viel abverlangt. Dieses Weihnachtsfest verlangt uns auch einiges ab, auch in NRW. Gewohnte Rituale und geliebte Menschen fehlen uns. Da brauchen wir Trostbilder und Kraftbilder. Das Weihnachtsbild ist so ein Bild. Daraus kann man sogar dann Trost und Kraft schöpfen, wenn man nicht so richtig dran glaubt. 

Was macht das Weihnachtsbild aus? Gott ist die Distanz leid. Er will Nähe, Nähe zu den Menschen. Er wird selbst ein Mensch, bleibt nicht irgendwo da oben. Gott wird ein Baby. Ein Kind armer Leute. Für die Geburt unterwegs finden sie nichts Besseres als einen Stall. Und das Neugeboren kommt in eine Futterkrippe. Gruselig und unbarmherzig! Aber dass Gott sich darauf einlässt, das ist göttlich! Das ist ein Trost. Und Menschen verstehen das. Hirten kommen, der Himmel geht auf, man hört die Engel singen. Von weither kommen Weise, Könige. Die Großen beugen sich vor dem Kleinen. Was für kraftvolle Bilder! Was für tröstliche Bilder!

Doch, denken Sie vielleicht, was hilft mir das, wenn ich an diesem Fest die nicht in den Arm nehmen kann, die ich lieb habe. Was hilft mir das, wenn ich nicht einmal zum Gottesdienst kann, sondern mit einem Livestream vorlieb nehmen muss? 

Wie wäre es, wenn Sie sich an diesem vielleicht etwas stilleren Weihnachtsfest Zeit nähmen, vor einem Krippenbild ins Träumen zu geraten? Oder vor der Krippe, die Sie aufgebaut haben? Oder einfach auf ihrem Sofa. Träumen sie sich doch mal in diese Geschichte hinein. Drömeln, nenne ich als Rheinländerin in Westfalen das gerne, drömeln, irgendwo so zwischen Tag und Traum. Wo wäre ich denn in dem Stall? Irgendwo hinten im Schatten? Weil mir das Ganze nicht geheuer ist? Oder bin ich eher praktisch veranlagt und will Maria zur Hand zu gehen? Oder komme ich mir vor wie ein Hirte, der dasteht, es nicht fassen kann und staunend in die Knie geht? 

Was solches drömeln bringt? Der eine von Ihnen geht vielleicht getröstet aus seinem Tagtraum. Die andere spürt Kraft, dafür zu sorgen, dass Menschen nicht in Ställen leben müssen – und nicht in Flüchtlingslagern, wie Moria. Ein anderer geht wohlmöglich zu der Nachbarin, der noch niemand etwas zu Weihnachten vorbeigebracht hat. Die eine hat das nächste Mal Mut, menschenverachtenden Parolen zu widersprechen. Noch eine setzt sich ein für eine Kirche, die diesem Jesus wieder ähnlicher wird. Oder, oder, oder… 
Für mich ist diese Geschichte mehr als ein Traum. Ich glaube, die Engel singen auch heute Nacht „Friede ALLEN Menschen auf Erden!“ Also: Ihnen allen tröstliche, kraftvolle Feiertage. Frohe, gesegnete Weihnachten, bleiben Sie behütet, Ihre Schwester Katharina“

(Schwester Katharina von den Franziskanerinnen aus Lüdinghausen im Kreis Coesfeld und Vorsitzende der Deutschen Ordensobernkonferenz in Bonn.)
 

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